Zusammenfassung Hintergrund Die Indikation zur elektiven Neck Dissection (END) bei Patienten mit T1/2-Plattenepithelkarzinomen des Hypopharynx (HPSCC) und Oropharynx (OPSCC) wird nicht einheitlich gestellt. In der vorliegenden Studie erfolgte daher eine detaillierte Analyse des Metastasierungsverhaltens von HPSCC und OPSCC. Material und Methoden Es erfolgte eine multizentrische retrospektive Analyse des nodalen Metastasierungsverhaltens und der onkologischen Parameter von 262 chirurgisch therapierten HPSCC- und OPSCC-Patienten. Zudem erfolgte eine systematische Literaturrecherche. Ergebnisse Bei HPSCC-Patienten lag in 62,1% der Fälle eine Diskrepanz zwischen klinischem und pathologischem N-Status vor, bei OPSCC in 52,4% (p16-) bzw. 43,6% (p16+). Die okkulte Metastasierungsrate in den Primärtumorstadien T1/2 lag dabei bei 38,9% für HPSCC und bei 17,8% (p16-) und 11,1% (p16+) für OPSCC. Bei HPSCC traten in den Stadien cT1/2cN0 in 22,2% der Fälle kontralaterale Metastasen auf; die Rate bei OPSCC lag bei lediglich 9,1% (p16-) bzw. 0% (p16+). Patienten mit p16-positiven OPSCC wiesen ein besseres rezidivfreies und Gesamtüberleben auf als p16-negative OPSCC- und HPSCC-Patienten. Ein direkter Zusammenhang zwischen Patientenüberleben und Ausmaß der chirurgischen Therapie des Halses ließ sich nicht nachweisen. Schlussfolgerung Patienten mit HPSCC weisen ab Stadium cT1/2cN0 ein hohes Risiko für okkulte Halslymphknotenmetastasen auf, welches die Durchführung einer beidseitigen END rechtfertigt. Bei Patienten mit T1/2cN0-OPSCC manifestieren sich ipsilateral in >20% der Fälle okkulte Metastasen; das Risiko für eine kontralaterale okkulte Metastasierung liegt jedoch bei <10%, sodass bei streng lateralisierten Tumoren ein Verzicht auf die kontralaterale Neck Dissection erwogen werden kann.
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